Brüderle spricht von Wirtschafts-Boom, Euro-Entwicklung deutet gegenteiliges an
Manchmal kann das Leben doch so einfach sein. Nehmen wir als Beispiel den Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle von der FDP. In einem aktuellen Interview sagt Brüderle zum Wirtschaftswachstum, dass „bei aller Vorsicht glaube ich, wir sogar eine zwei vor dem Koma erreichen können.“ Bislang liegt die offizielle Prognose der Bundesregierung für das Wirtschaftswachstum 2010 erst bei 1,4 Prozent. Die Zuversicht nimmt Brüderle vor allem aus dem starken Export. Sollte aber der Euro im Verhältnis zum Dollar wieder deutlich an Wert gewinnen, ist schon sehr bald mit einem Abflauen der starken Exportzahlen zu rechnen. Bedenken Sie: seit dem Tief von 1,20 Dollar im Juni ist der Euro im Verhältnis zum Dollar schon wieder auf fast 1,30 Dollar gestiegen. Die massiven Probleme in den USA werden schon in den nächsten Monaten sehr wahrscheinlich eine weitere Fortsetzung dieses Trends bringen.
Aber zurück nach Deutschland. Laut Brüderle steht Deutschland also vor einem Boom. Und sicherlich hat sich die Krise in den vergangenen Monaten abgeschwächt. Aber da muss man sich doch nur mal anschauen zu welchem Preis: die massiven Hilfen für die Wirtschaft und die Banken haben den deutschen Schuldenberg massiv ansteigen lassen.
Die Politik hat den Kollaps verhindert, aber der schleichende Niedergang wird uns noch viele Jahre begleiten. Noch redet die Bundesregierung davon, die Neuverschuldung in einigen Jahren komplett zu stoppen. Dann würde der Zeitpunkt kommen, an dem wir endlich anfangen würden, unsere Schulden abzubauen. Allein mir fehlt der Glaube, dass wir diesen Zeitpunkt tatsächlich erreichen. Und ein Boom kommt nicht nur einfach dann, wenn der Bundeswirtschaftsminister ihn ausruft.



Kommentare zum Artikel
ein Abbau der Schulden ist - wenn man des Rechnens maechtig ist - nicht mehr moeglich, der "Go-no-Go" Point ist weit ueberschritten. Zur Erklaerung des "Go-no-Go" Points: er kommt aus der Fliegersprache (ich war mal 12 Jahre in der militaerischen Fliegerei taetig). Er hat zwei Ursachen, die aber realativ aehnlich sind: wenn ich mit einem Flugzeug starte, dann gibt es einen Punkt an der Startbahn, ab dem ich meinen Start nicht mehr abbrechen kann ohne einen Crash zu produzieren, ich muss auf Teufel-komm-raus den Start durchfuehren. Diesen Punkt muss ich bei jedem Start berechnen. Und waehrend eines Flugs z.B. ueber den Ozean gibt es einen Punkt, ab dem ich im Falle eines Defekts der Maschine nicht mehr umkehren und an den Startpunkt zurueckkehren kann, sondern meinen Flug zum vorgesehenen Landepunkt (oder einem eventuell naeheren Ausweichflughafen) durchfuehren muss. Beides wird als "Go-no-Go" pPoint bezeichnet.
Und finanziell gesehen heisst das: dieser Punkt bezeichnet die Schuldenhoehe, ab der eine Rueckzahlung unmoeglich wird, weil die Zinsen, die zu zahlen sind, bereits die Summe, die mir zur Rueckzahlung zur Verfuegung steht, uebersteigen. Und dieser Punkt wurde nach Berechnungen meines ehemaligen Professors fuer Wirtschaftswissenschaften bereits vor ca. 10 Jahren ueberschritten (als noch nicht die Verschleuderung absolut unwirksamer Staatshilfen den Schuldenberg weit ueber diesen Punkt hinausgetrieben haben). Jetzt kann nur noch eine drastische Waehrungsreform (die wir alle bezahlen "duerfen") den Schuldenberg in den Griff bekommen. Wir haben ja nicht von ungefaehr als nationales Wappentier den Pleitegeier (;-))
MfG
Lykkedeeler
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