Ungarn mit dem Rücken zur Wand
Liebe Leser,
an dieser Stelle schaue ich regelmäßig auf die verschiedenen Brandherde mitten in Europa: Ob Griechenland, Portugal oder Spanien. In allen Ländern sorgen die riesigen Schuldenberge für anhaltende Probleme. Allerdings gibt es zumindest kurzfristig Hilden von Seiten der EU. Das gilt für viele Länder Osteuropas nicht. So leidet Ungarn jetzt darunter, dass die EU und auch der IWF weitere Hilfen für das angeschlagene Land ablehnen. Sie erinnern sich: Ungarn stand im Herbst 2008 vor dem Kollaps und konnte nur durch direkte Hilfen des Internationalen Währungsfonds vor dem Absturz gerettet werden.
Nun liefen in den vergangenen Tagen lange Verhandlungen zwischen Ungarn und der EU und dem IWF. Es ging dabei um die dritte Trandche des im Herbst 2008 gestarteten Hilfsprogramms mit einem Gesamtvolumen von rund 20 Mrd. Euro. Doch das letzte Drittel wird nun nicht an die Regierung in Budapest überwiesen. Vielmehr wird die ungarische Regierung nun aufgefordert, neue und weitreichende Maßnahme zum Schuldenabbau zu ergreifen.
Dabei hatte die neue Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orban erst kürzlich ein Sparprogramm vorgelegt, mit dessen Hilfe die Neuverschuldung in diesem Jahr auf 3,8% des Bruttoinlandsprodukts und im kommenden Jahr sogar auf nur noch 3,1% gedrückt werden soll. Die angekündigten Maßnahmen sind breit angelegt. Neben Einschnitten im Öffentlichen Dienst und bei Sozialleistungen soll es auch eine Bankensteuer geben.
Das ganze Konzept überzeugte die Verantwortlichen der EU und des IWF nicht. Nun ist wieder mit stark fallenden Kursen und einer erneuten Schwäche des Forint zu rechnen. Der maßgebliche BUX Index der Börse in Budapest verliert daraufhin zum Wochenbeginn mehr als 2 Prozent und nimmt wieder Kurs auf das bisherige Jahrestief. Beim Forint ist der Einbruch sogar noch heftiger: 2,2% verliert die ungarische Währung an einem Handelstag gegenüber dem Euro und notiert damit fast auf dem Rekordtiefstand von vor einigen Wochen.
An diesen heftigen Reaktionen sehen Sie, dass die Lage in Osteuropa, auch wenn sie in der öffentlichen Wahrnehmung bei uns keine große Rolle spielt, weiterhin sehr angespannt ist. Und Ungarn ist näher als man denkt: in Österreich, einem Land mit einem hohen Anteil Osteuropageschäft, sinken heute die Kurse ebenfalls auf breiter Front.
Herzlichst Ihr
Gunter Hannich



Kommentare zum Artikel
Wie immer interessant! Freue mich über Ihre Aufklärungen und gebe Ihre Adresse stänig weiter!
Herzlichst
Ihre Gisela Reime
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