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EU-Sparprogramme drücken auf den Konsum - auch US-Aufschwung ist nicht nachhaltig

27.07.2010 16:11 Uhr von Günter Hannich

Liebe Leser,
in ganz Europa laufen massive Sparprogramme. Viele Staaten – angefangen von Griechenland über Spanien und Portugal bis hin zu Großbritannien – stehen mit dem Rücken zur Wand. Die Programme laufen dabei alle nach demselben Muster ab: Auf der einen Seite stehen Steuererhöhungen und auf der anderen Seite Ausgabensenkungen.

Für die Bürger vieler EU-Länder heißt das ganz einfach: der Gürtel muss enger geschnallt werden. Und dass dies auch tatsächlich so ist, lässt sich schon an vielen Beispielen erkennen. So haben schon zahlreiche Konsumtitel über die Bilanz zum zweiten Quartal 2010 berichtet. Ob bei Electrolux,  Imperial Tobacco Group oder Pernod Ricard, der Umsatz hat in den vergangenen Monaten ganz klar unter den Sparprogrammen gelitten. Und die beispielhaft herausgegriffenen Unternehmen decken eine große Bandbreite ab. Electrolux steht für Heimelektronik, Pernod-Ricard für Spirituosen und Imperial Tobacco für Zigaretten.

In den nächsten Tagen legen dann noch weitere Konsumtitel wie Danone oder der Luxuswert LVMH Moet Hennessy die Zahlen vor. Ich rechne damit, dass sich der Abwärtstrend auch bei diesen Firmen bestätigt – zumindest auf dem europäischen Markt. Ein weiterer Effekt, den ich in den nächsten Monaten erwarte, sind weiter sinkende Preise. Noch ist es in den meisten Sektoren so, dass die Produktion noch nicht zurückgefahren worden ist. Die nun langsam wieder steigenden Lagerbestände werden sicherlich negative Folgen für die Preise haben.

Probleme zeigen sich auch in der Telekom-Branche.  So hat Vodafone, der weltweit größte Mobilfunkanbieter, einen Umsatzrückgang in Spanien von 6,2 Prozent im zweiten Quartal gemeldet. In Italien ging es um 2,5 Prozent nach unten.  All dies sind Anzeichen dafür, dass die massiven europäischen Sparprogramme die Konjunktur im zweiten Halbjahr noch stark belasten werden.

Bei den Gewinnzahlen liefert die Börse in diesen Tagen jedoch völlig andere Signale: In den USA sind die Gewinne im S&P 500 Index auf Jahressicht um 44 Prozent gestiegen. Bislang haben rund ein Drittel der 500 Firmen ihre Zahlen präsentiert. Doch dieser massive Aufschwung ist keinesfalls nachhaltig. Noch basieren die hohen Gewinne vielfach auf massiven Kosteneinsparungen. Doch in diesem Bereich sind die meisten Firmen schon am Anschlag. Hier erwarte ich für das 3. Quartal so manche negative Überraschung und vor allem deutlich niedrigere Aktienkurse.

Herzlichst Ihr
Günter Hannich

 
 

Kommentare zum Artikel

28.07.2010 22:24
Lukas K.
Das nenne ich mal eine konkrete Aussage. Deutlich tiefere Aktienkurse bis ende September. Bin gespannt wie gut G. Hannich in den Prognosen ist.
27.07.2010 18:08
gerhardus lang
Die Deflation ist im vollen Gange. Die Notenbanken können durch Zinssenkungen nicht mehr gegensteuern, da sie schon am unteren Anschlag angelangt sind: Japan lässt grüßen, Stagnation und Deflation sind siamesische Zwillinge. Diese auseinander zu operieren ist so, wie die Lösung des gordischen Knotens. Den kann man nur mit einem Schwerthieb durchtrennen. Wer wird den Scherthieb führen? Wie soll das Schwert beschaffen sein, das fähig ist, den unlösbaren Knoten zu zerschlagen? Keynes in Anlehnung an Silvio Gesell hat das Schwert schon geschaffen, es muss nur noch gezogen werden, um damit zuzuschlagen: Durchhaltekosten (negative Zinsen!)auf gehortetes Geld, das sich jetzt so munter im Nullsummenspiel der Kapital-Spekulation herumtreibt oder wirklich im Strumpf gehortet wird.

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