Die Ordnung mit flexiblen Wechselkursen
Liebe Leser,
heute möchte ich das Thema Wechselkurse noch einmal aufgreifen, denn es ist für das Verständnis von Währungsräumen entscheidend. Ein flexibler Wechselkurs bedeutet, dass der Austauschkurs zwischen zwei Währungsgebieten nicht festgelegt wird und auch nicht versucht wird, diesen in irgendeiner Weise künstlich zu beeinflussen. Er unterliegt also den Marktkräften von Angebot und Nachfrage.
Wird eine Währung mehr nachgefragt, so steigt der Preis für dieses Geld, also der Wechselkurs. Würden vermehrt Bürger ersparte Euros in US-Dollar wechseln, so müsste der US-Dollar im Kurs steigen, dann müssten also immer mehr Euros aufgebracht werden, um einen Dollar zu erhalten.
Je nach wirtschaftlicher Entwicklung der Länder, stellt sich dann der Kurs auf unterschiedliche Niveaus ein und gleicht damit die Wirtschaftsschwankungen der Staaten untereinander aus. Was bedeutet dies?
Wenn beispielsweise ein Land mit eher schwächerer Wirtschaftsentwicklung (z.B. Entwicklungsland) einen flexiblen Wechselkurs zu einem starken Industrieland hat, dann wächst die Wirtschaftsleistung in dem Industrieland schneller als in dem schwachen Staat. Weil das Wirtschaftswachstum im Industrieland größer ist als im Entwicklungsland, ist dieses für den international orientierten Investor attraktiver, weil höhere Gewinne zu erwarten sind. Da nun mehr Kapital in den Industriestaat investiert wird, dessen Währung also attraktiver wird, steigt der Preis für das Geld dieses Landes. Entsprechend muss der Wechselkurs des Entwicklungslandes zum Industrieland sinken, da die Nachfrage nach dessen Währung nicht zugenommen hat.
Der Austauschkurs der Währung beeinflusst nun entscheidend den Außenhandel eines Landes: Ein steigender Wechselkurs bedeutet, dass die Exporte schwieriger werden, weil das Ausland mehr eigene Währung aufwenden muss, um das aufgewertete Geld des Industrielandes für den Warenkauf zu erhalten - die Produkte dieses Staates werden also für das Ausland teurer, auch wenn sich am Preisniveau im Inland nichts verändert hat. Gleichzeitig werden Importe für den Staat attraktiver, weil die aufgewertete Währung es erlaubt, im Ausland billiger einzukaufen. Im Ergebnis führt also eine Aufwertung dazu, dass die Exporte sinken und die Importe steigen.
Andersherum sieht es für das Entwicklungsland aus, dessen Währung im Kurs gefallen ist: Für diesen Staat werden die Ausfuhren einfacher, da das Ausland durch den günstigeren Umtauschkurs billiger einkaufen kann. Gleichzeitig müssen die Einfuhren in das Entwicklungsland schwerer werden, weil mehr eigene Währung aufgewandt werden muss, um die Güter im Ausland zu kaufen, die Waren also für das Entwicklungsland effektiv teurer werden. Abschließend bleibt festzuhalten: Eine Abwertung einer Währung führt also dazu, dass die Exporte zunehmen und die Importe sinken.
Herzlichst Ihr
Günter Hannich



Kommentare zum Artikel
Keynes wollte dieser Unordnung seinen Bancor-Plan entgegen setzen, der sich aber gegen die USA und ihren Interessen an der Leitwährung Dollar nicht durchsetzen konnte. Die Folgen dieser Entscheidung haben wir jetzt zu tragen: Positive Handelsbilanzen von China und Deutschland und einigen wenigen anderen Staaten und negative vor allem der USA. Ein Tanz auf dem Vulkan ist die Folge.
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