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Auswirkungen von flexiblen Wechselkursen auf das Import-/Exportgeschäft

21.07.2010 12:40 Uhr von Günter Hannich

Liebe Leser,

ein flexibler Wechselkurs bedeutet, dass der Austauschkurs zwischen zwei Währungsgebieten nicht festgelegt wird und auch nicht versucht wird, diesen in irgendeiner Weise künstlich zu beeinflussen. Er unterliegt also den Marktkräften von Angebot und Nachfrage. Wird eine Währung mehr nachgefragt, so steigt der Preis für dieses Geld, also der Wechselkurs. Würden vermehrt Bürger ersparte Euros in US-Dollar wechseln, so müsste der US-Dollar im Kurs steigen, dann müssten also immer mehr Euros aufgebracht werden, um einen Dollar zu erhalten.
Je nach wirtschaftlicher Entwicklung der Länder, stellt sich dann der Kurs auf unterschiedliche Niveaus ein und gleicht damit die Wirtschaftsschwankungen der Staaten untereinander aus. Was bedeutet dies?

Wenn beispielsweise ein Land mit eher schwächerer Wirtschaftsentwicklung (z.B. Entwicklungsland) einen flexiblen Wechselkurs zu einem starken Industrieland hat, dann wächst die Wirtschaftsleistung in dem Industrieland schneller als in dem schwachen Staat. Weil das Wirtschaftswachstum im Industrieland größer ist als im Entwicklungsland, ist dieses für den international orientierten Investor attraktiver, weil höhere Gewinne zu erwarten sind. Da nun mehr Kapital in den Industriestaat investiert wird, dessen Währung also attraktiver wird, steigt der Preis für das Geld dieses Landes. Entsprechend muss der Wechselkurs des Entwicklungslandes zum Industrieland sinken, da die Nachfrage nach dessen Währung nicht zugenommen hat.

Der Austauschkurs der Währung beeinflusst nun entscheidend den Außenhandel eines Landes: Ein steigender Wechselkurs bedeutet, dass die Exporte schwieriger werden, weil das Ausland mehr eigene Währung aufwenden muss, um das aufgewertete Geld des Industrielandes für den Warenkauf zu erhalten - die Produkte dieses Staates werden also für das Ausland teurer, auch wenn sich am Preisniveau im Inland nichts verändert hat. Gleichzeitig werden Importe für den Staat attraktiver, weil die aufgewertete Währung es erlaubt, im Ausland billiger einzukaufen. Im Ergebnis führt also eine Aufwertung dazu, dass die Exporte sinken und die Importe steigen.

Andersherum sieht es für das Entwicklungsland aus, dessen Währung im Kurs gefallen ist: Für diesen Staat werden die Ausfuhren einfacher, da das Ausland durch den günstigeren Umtauschkurs billiger einkaufen kann. Gleichzeitig müssen die Einfuhren in das Entwicklungsland schwerer werden, weil mehr eigene Währung aufgewandt werden muss, um die Güter im Ausland zu kaufen, die Waren also für das Entwicklungsland effektiv teurer werden. Eine Abwertung einer Währung führt also dazu, dass die Exporte zunehmen und die Importe sinken.


Herzlichst Ihr

Günter Hannich

 
 

Kommentare zum Artikel

21.07.2010 17:16
Andreas Huber
So stehts in jedem Schulbuch. Die Realität sieht anders aus.Znächstmal muß man zwischen Konsum- und Kapitalgütern unterscheiden. Im Bereich leicht herzustellender Konsumgüter mag diese Theorie stimmen. Man braucht dazu aber Rohstoffe und Kapitalgüter (Produktionsanlagen) die müßen importiert werden und werden teurer. Die Produktion von Anlagentechnik läßt sich nicht aus dem Boden stampfen. Ich habe selbst eine große Auslandserfahrung in Lateinamerika - Entwicklungsländern. Dort stehen die Regierungen mit ihrer Zollbürokratie zusätzlich noch einer Produktion von Exportgütern im Weg, da sie die dafür erforderlichen Importe behindern und zusätzlich verteuern. Zudem wird im Schwachwährungsland die Finanzierung teuerer, da ausländische Geldgeber höhere Zinsen verlangen um die Währungsabwertung zu kompensieren.
Theorie und Praxis sind eben zwei paar Stiefel.

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