Die Krise ist frühestens 2013 vorbei
Liebe Leser,
geht es nach der Politik, dann sind die Folgen der Krise erst in zwei bis drei Jahren überwunden. So sieht es der zuständige Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle von der FDP. In einem aktuellen Interview sagte er, dass „er zuversichtlich sei, dass wir die Krise in zwei bis drei Jahren komplett überwunden haben.“ Für 2010 erwartet Brüderle ein Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent und für 2011 könnte das Plus sogar noch etwas höher ausfallen.
Das hört sich doch gut an. Aber bei diesen positiven Zahlen kommt der Bundesregierung der Basiseffekt zugute. Sie müssen bedenken, dass sich diese Wachstumszahlen immer auf das Vorjahr beziehen. Doch vor einem Jahr tobte die Krise in Deutschland und die Wirtschaftsleistung sackte auf Jahressicht um 5 Prozent ab – der größte Absturz in der Geschichte der Bundesrepublik. Wenn nun die Wirtschaft um 1,4 Prozent zulegen sollte, dann holt die deutsche Konjunktur nur etwas mehr als ein Viertel des Absturzes wieder auf. Da liegen noch einige Jahre vor uns, bis wir das Vor-Krisenniveau wieder erreichen.
Zudem darf es bei dieser Planung keine externen Schocks geben. Dazu zählt vor allem die Zahlungsunfähigkeit eines Euro-Landes. Dieses Risiko ist in den vergangenen Wochen, nach Ansicht der Öffentlichkeit gesunken. Aber ob der Euro-Rettungsschirm in der Notsituation wirklich komplett einspringen kann, bleibt noch abzuwarten.
Und wie ernst die Lage auch noch in den USA ist, zeigt folgendes Beispiel: so hat die US-Notenbank Fed die Wachstumsprognose für 2010 auf 3 bis 3,5 Prozent gesenkt. Auf dieser Basis wollen die Notenbanker nun über neue Optionen zur Ankurbelung der Wirtschaft nachdenken. Ein wichtiges Mittel, das Drehen an der Zinsschraube, ist nicht mehr möglich. Schon seit langem verharrt der Zinssatz in der größten Volkswirtschaft bei 0,25 Prozent. Noch ist nicht absehbar, wann die Zinsen wieder steigen und der Notfallmodus beendet werden kann.
Sie sehen, der Optimismus der Politik ist verfrüht. Von den Anlegern ist weiterhin Wachsamkeit gefragt.
Herzlichst Ihr
Günter Hannich



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