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Das Krisensystem der festen Wechselkurse

28.07.2010 11:19 Uhr von Günter Hannich

Liebe Leser,

ein fester Wechselkurs bedeutet, dass ein Land zu einem anderen den Austauschkurs seiner Währung festsetzt und diesen mit Notenbankinterventionen zu verteidigen versucht.
Ein System, welches auf einem festen Wechselkurs baut, gleicht einem gesperrten Thermostaten, der die Temperatur in einem Raum nicht mehr regulieren kann und eine konstante Heizleistung beibehält, unabhängig davon, wie sich die Umgebung verändert. Das funktioniert so lange, so lange die dem Raum zugeführte Wärme gleich der Wärmeabgabe ist. Sollte diese jedoch größer oder kleiner werden (Winter/Sommer), so gerät das System mangels Steuerungsmechanismus aus dem Gleichgewicht. Im Sommer würde die Heizung zusätzlich heizen, statt abzuschalten, im Winter würde die Heizleistung nicht ausreichen und der Raum zu stark abkühlen.
Ähnlich verhält es sich bei der Währung mit festem Wechselkurs: Solange sich die beiden betroffenen Länder im gleichen Maße weiterentwickeln ist keine Wechselkursanpassung nötig - auch der flexible Wechselkurs würde hier konstant bleiben. Wird das Gleichgewicht jedoch dahingehend gestört, dass ein Land plötzlich einen stärkeren Wirtschaftszuwachs oder eine höhere Inflation, bzw. einen stärkeren Kapitalzustrom aufweist, so kommt es zu einer Reihe von Ungleichgewichten.
Häufig wird der Fehler begangen, gerade die festen Austauschkurse mit Stabilität gleichzusetzen, was sich jedoch bald in einer Währungskrise als Trugschluss herausstellt!
So meinte etwa der französische Staatspräsident Chirac einmal, dass man auf Dauer kein System ständig schwankender Wechselkurse hinnehmen dürfe und man nicht auf finanzielle Stabilität in der Welt hoffen dürfe, solange schwankende Wechselkurse akzeptiert würden. Was Chirac hier übersah, ist die Tatsache, dass Wechselkursänderungen nur Anzeigeinstrumente dafür sind, dass sich verschiedene Staaten auseinanderentwickeln und die Abschaffung dieser Instrumente keineswegs die Probleme löst, sondern sogar noch weiter verstärkt.

Empirische Studien haben ergeben, das Länder mit flexiblen und stark schwankenden Wechselkursen keine grundsätzlich andere Wirtschaftsentwicklung hatten, als Länder mit stabileren Kursen. Im Gegenteil zeigten sich die Wechselkursänderungen als Puffer zur Abfederung exogener Störungen, etwa hoher Inflation oder einem Konjunktureinbruch bei wichtigen Auslandspartnern.

Feste Wechselkurse zwischen ungleichartigen Staaten enden früher oder später immer in einer Krise. Man könnte den Vorgang auch mit einem Luftballon vergleichen, dessen Luftregulation verstopft ist und deshalb immer weiter aufgeblasen wird und irgendwann mit einem lauten Knall platzen muss. Genauso führen die Festkurssysteme zu immer mehr Ungleichgewichten in der Wirtschaft, bis es zu einem katastrophalen Zusammenbruch kommt.

Wie ein solcher Zusammenbruch aussehen könnte, erfahren Sie in der nächsten Ausgabe zum Thema Wechselkurse.

Herzlichst Ihr
Günter Hannich

 
 

Kommentare zum Artikel

29.07.2010 07:40
Hartmut Anonymus
Um in Ihrem Bild zu bleiben, lieber Herr Hannich: Jede Heizungs-Regelung braucht auch ein stabilisierendes Element, sonst ergeben sich überschießende Regelungs-Wirkungen, das ganze beginnt zu schwingen. Das auf die Finanzwelt übertragen, heißt: flexible Wechselkurse ja, aber man muss zusätzlich etwas dagegen tun, dass nicht gewisse Marktteilnehmer durch - auf die fundamentalen wirtschaftlichen Unterschiede der betreffenden Länder - noch "draufgesetzten Spekulationen" die Wechselkurse total aus dem Ruder laufen lassen.

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